Demokratie lebt vom Mitmachen: Wochen der Demokratie am Liborius-Gymnasium Dessau

19.05.2026

Seit dem 4. Mai stehen am Liborius-Gymnasium Demokratie, Grundrechte und gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt. In Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, kreativen Aktionen und Diskussionen beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit der Frage, was Demokratie ausmacht und wie sie im Alltag gelebt werden kann. Die Demokratie-Wochen laufen noch bis zum 22. Mai.

Anlass ist der Tag des Grundgesetzes am 23. Mai. Das Grundgesetz bildet seit 1949 die Grundlage unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Es schützt Grundrechte, stellt die Würde des Menschen in den Mittelpunkt und beschreibt die Werte, auf denen unser Zusammenleben beruht.

Die Demokratie-Wochen machen diesen Zusammenhang für die Schülerinnen und Schüler auf vielfältige Weise erfahrbar. Es geht nicht nur darum, Wissen über das Grundgesetz und seine Entstehungsgeschichte zu vermitteln. Die Jugendlichen setzen sich auch mit Menschenwürde, Toleranz, Verantwortung, politischer Teilhabe und dem Einsatz gegen Extremismus auseinander.

Demokratie verstehen und erleben

Bereits zum Auftakt der Demokratie-Wochen wurden verschiedene Ausstellungen eröffnet. Dazu gehört unter anderem die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten aus einem Kreativwettbewerb der Schülervertretung sowie Werke des ehemaligen Liborius-Schülers und Dessauer Künstlers Simon Muchau.

Die Ausstellungen laden dazu ein, sich mit Demokratie nicht nur abstrakt, sondern konkret auseinanderzusetzen: Welche Werte tragen unser Zusammenleben? Wo ist Demokratie gefährdet? Und welche Verantwortung hat jede und jeder Einzelne?

Auch Eltern und Interessierte können die Ausstellungen während der Öffnungszeiten des Schulgebäudes besuchen.

Kreative Zeichen für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde

Ein besonderer Bestandteil der Demokratie-Wochen waren zwei Graffiti-Workshops. Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 11 entwickelten dabei eigene Ideen, erarbeiteten Entwürfe und setzten diese anschließend auf großformatigen Planen um.

Gemeinsam mit dem Künstler xx und dem Pfadfinderstamm Jakobus, der am Liborius-Gymnasium seinen Sitz hat, entstanden sechs große Plakatwände. Sie setzen ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde und zeigen, welche Werte den Jugendlichen wichtig sind.

Die Workshops machten deutlich: Demokratie kann nicht nur besprochen, sondern auch kreativ gestaltet werden. So wurde aus eigenen Gedanken, Skizzen und Farben ein gemeinsamer Beitrag für ein demokratisches Miteinander.

Extremismus und Antisemitismus begegnen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Demokratie-Wochen waren Begegnungen und Gespräche zu Extremismus und Antisemitismus. Der Rapper Ben Salomo sprach in zwei Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern über Antisemitismus und gesellschaftliche Verantwortung.

Auch Axel Reitz, Aussteiger aus der rechtsextremen Szene, war zu Gast am Liborius-Gymnasium. Er berichtete von seinen eigenen Erfahrungen, seinem Ausstieg und kam anschließend mit Schülerinnen und Schülern der 8. bis 11. Klassen ins Gespräch. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Offenheit, Meinungsvielfalt und die Auseinandersetzung mit extremistischen Haltungen für eine demokratische Gesellschaft sind.

Gerade solche Gespräche machen deutlich, wie wichtig es ist, demokratische Werte nicht nur theoretisch zu behandeln. Sie geben jungen Menschen Raum, Fragen zu stellen, Erfahrungen einzuordnen und sich mit Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und Verantwortung auseinanderzusetzen.

Das Grundgesetz im Fokus: Vortrag und Diskussion

Das Grundgesetz selbst stand ebenfalls im Mittelpunkt der Demokratie-Wochen. Der Politikjournalist Ingo Espenschied nahm Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen mit auf eine multimediale Zeitreise zur Geschichte und Bedeutung des Grundgesetzes. Auch Oberbürgermeister Dr. Robert Reck sowie Vertreterinnen und Vertreter aus dem Stadtrat waren vor Ort. So verband sich die schulische Auseinandersetzung mit Demokratie mit der kommunalpolitischen Perspektive der Stadt.

Dabei ging es um die Entstehung der Verfassung, ihre Bedeutung für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie um die Frage, wie aktuell die Grundrechte bis heute sind.

Im Anschluss an den Vortrag gab es Raum für Fragen, Austausch und Diskussion. Im Mittelpunkt standen Fragen, die weit über den Unterricht hinausreichen: Was bedeutet Demokratie heute? Wo ist sie gefährdet? Wie kann sie geschützt werden? Und welche Verantwortung trägt jede und jeder Einzelne für ein demokratisches Miteinander? Gerade im Austausch zeigte sich: Demokratie lebt davon, dass Menschen bereit bleiben, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen.

Der Vortrag machte deutlich: Das Grundgesetz ist kein fernes Dokument aus dem Geschichtsunterricht. Es betrifft Fragen, die bis heute aktuell sind und im Alltag immer wieder neu beantwortet werden müssen.

Schule als Ort demokratischer Bildung

Die Demokratie-Wochen am Liborius-Gymnasium zeigen, wie vielfältig demokratische Bildung sein kann. Schülerinnen und Schüler besuchen Ausstellungen, gestalten eigene Beiträge, diskutieren mit Gästen, setzen sich mit Extremismus und Antisemitismus auseinander, lernen politische Institutionen kennen und reflektieren ihre eigene Rolle in der Demokratie.

Genau darin liegt die Stärke solcher Projekte: Demokratie wird nicht nur erklärt, sondern erfahrbar. Junge Menschen erleben, dass ihre Fragen, Perspektiven und Haltungen zählen. Sie lernen, sich eine Meinung zu bilden, anderen zuzuhören und Verantwortung für das gemeinsame Zusammenleben zu übernehmen.

So wird Schule zu einem Ort, an dem Demokratie im Alltag konkret wird: durch Wissen, Austausch, kreative Beteiligung und die Erfahrung, dass jede Stimme zählt.

Bildrechte: Liborius-Gymnasium / Edith-Stein-Schulstiftung